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Informationsveranstaltung in Handewitt zu den Plänen mit der Trasse Flensburg - Niebüll

Schafflund , den 10. 09. 2016
An der Idee, die Bahnstrecke von Flensburg nach Niebüll zu reaktivieren, scheiden sich die Geister. Das wurde einmal mehr auf einem Infoabend deutlich, zu dem die Gemeinde Handewitt die Bevölkerung, aber auch Vertreter der Nachbarkommunen am Mittwochabend eingeladen hatte. Die Stadt Flensburg, die die Bahn-Diskussion durch ein Gutachten entfacht hatte, glänzte allerdings durch Abwesenheit. „Wir hatten bislang nur Informationen aus der Presse“, erklärte Bürgermeister Thomas Rasmussen. „Das war Grund genug, der Sache einmal auf den Grund zu gehen. Heute erwartet Sie keine Pro- und keine Contra-Bahn-Veranstaltung.“

Dennoch hatten etliche Anrainer der 1981 stillgelegten Stecke zumindest zeitweise das Gefühl, einer Werbeveranstaltung für den Bahnverkehr beizuwohnen. Zu diesem Eindruck trug bei, dass beide Referenten ein Plädoyer für den schienengebundenen Verkehr formulierten. Ingo Dewald-Kehrer, Geschäftsführer der Norddeutschen Eisenbahngesellschaft (NEG), berichtete von Erfahrungen in Nordfriesland und ordnete der möglichen Ost-West-Verbindung positive Effekte für Tourismus und eine bessere Erreichbarkeit der Orte zu. Er ging von einem Einzugsbereich mit 120 000 Menschen aus. „Der Zug von Flensburg nach Niebüll könnte im Halb-Stunden-Takt fahren und braucht nur 35 Minuten“, sagte der Bahn-Experte und löste bei einigen Zuhörern Entsetzen aus: „Rauscht der Zug mit 120 Sachen an meinem Haus vorbei?“

Viele schüttelten den Kopf bei den geschätzten Kosten, die im zwei- oder gar dreistelligen Millionenbereich liegen sollen. Ingo Dewald-Kehrer entwarf ein Elektrifizierungs-Szenario, um so die größte Effizienz in einer Windkraft-Region zu erreichen, und erwähnte eine Alternativ-Lösung mit Wasserstoff. Ein Vertreter der Autokraft hegte Sympathien für den Windenergie-Ansatz, brachte diesen aber mit dem möglichen Einsatz von Elektrobussen in Verbindung. Zudem kündigte er an, dass die Reaktivierung der Bahn das „Aus“ für die Schnellbusse bedeuten würde.

Martin Schlünß hat in der 3000-Seelen-Gemeinde, Wankendorf, die zwischen Plön und Neumünster liegt, einen Bürgerwunsch aufgegriffen und kämpft dort für die Verbesserung des öffentlichen Personennahverkehrs und die Wiederbelebung der am Ort vorbeiführenden Bahnstrecke. „Was in Wankendorf möglich ist, sollte doch auch in Handewitt funktionieren“, meinte der Holsteiner. Nur: Ist das auch der Wille der Bevölkerung? Einige Besucher sahen den Zug bereits an ihrem Garten vorbeisausen und befürchteten Schäden am Mauerwerk, Lärm und gesundheitliche Beeinträchtigungen. „Was ist mit dem Elektro-Smog?“, fragte CDU-Gemeinderätin Stefanie Höller. „Einige Häuser stehen nur drei Meter von den Gleisen entfernt.“ Und was ist mit dem Wert der Immobilien? Ingo Dewald-Kehrer: „Laut Statistik steigen die Immobilienpreise – aufgrund der besseren Erreichbarkeit.“ SPD-Gemeinderat André Hense konterte: „Das ist in Ballungsgebieten so, aber nicht auf dem platten Land.“

Dewald-Kehrer machte zwei Vorschläge für die Lage eines neuen Handewitter Bahnhofs, da der alte Standort inzwischen weitgehend zugebaut ist: beim Baumarkt oder im Gewerbegebiet am Alten Kirchenweg. Ein Einwohner aus Unaften fuhr dazwischen: „Dann bitte auch ein Haltepunkt bei uns – dann fährt der Zug zumindest langsamer.“ Andere waren skeptisch, ob wirklich nur Personenzüge fahren könnten. „Die mögen ja noch erträglich sein“, meinte eine Anwohnerin. „Aber Güter- oder gar Autozüge machen wirklich Lärm.“

Fakt ist: Die Reaktivierung der Strecke von Flensburg nach Niebüll ist im Landesnahverkehrsplan als eine zu prüfende Maßnahme aufgeführt. Noch sind vielen Daten, Rechnungen und Einschätzungen nötig, bevor irgendwann ein Planfeststellungsverfahren eingeleitet wird – wenn es überhaupt kommt. „Eine Bahnstrecke ist nicht nur Segen, sondern auch Fluch“, nahm Thomas Rasmussen als Fazit mit. „Wir müssen eine Abwägung treffen.“ Das Thema soll demnächst in den Gremien beraten werden.

 

Text - SHZ Jan Kirschner

 

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