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Die Belastungen waren zu groß

23. 11. 2022

Betreiber schließen die private Altenpension „An den Auwiesen“ in Schafflund


Die Altenpension „An den Auwiesen“ in Schafflund ist Geschichte. „Wir mussten uns schweren Herzens entschließen, aus gesundheitlichen Gründen aufzuhören“, sagt Corinna August, die zusammen mit ihrem Mann Frank Stockmann vor 21 Jahren die kleine Pflegeeinrichtung gründete.
Die Erkrankung ihres Mannes führte zu einer Lücke, die nicht mehr zu schließen war, und dennoch „wir haben einfach weitergemacht, man hängt ja daran und will nicht aufgeben.“
Das kleine, privat geführte Heim punktete vor allem mit seiner familiären Atmosphäre. Heimfürsprecherin Anja Cierpiatka beschreibt es so: „Mein Bruder Gernot war fünf Jahre hier und hat sich sehr wohl gefühlt, weil alle so herzlich und lieb wie in einer Familie miteinander umgegangen sind. Es war eine eingeschworene Gemeinschaft.“ Er sei sehr traurig gewesen, habe aber, wie alle 17 Bewohner des Heims, in einer Pflegeeinrichtung der Umgebung eine neue Bleibe gefunden. „Wir sind den Einrichtungsleitungen sehr dankbar, dass sie unseren Bewohnern Plätze zur Verfügung stellen konnten“, sagt Corinna August. Es sei eine insgesamt für alle sehr belastende Situation.


Kein Bestandsschutz für das Haus

Eine Weiterführung des Heims durch neue Betreiber hätten sie sich gewünscht, aber von der Heimaufsicht hätten sie erfahren, dass kein Bestandsschutz für das Haus gilt. Enttäuschung und Verzweiflung waren die Folge: „Hätten wir nicht aufgehört, hätte alles weiterlaufen können.“ Doch wie bisher konnte es nicht weitergehen. Sowohl Corinna August als auch Frank Stockmann hatten über die Jahre selbst unermüdlich gearbeitet, sich keinen Urlaub und kaum Freizeit gegönnt, wie sie erzählen, und auf diese Weise häufig Engpässe beim Pflegepersonal wegen Krankheit ausgeglichen.
Hinzu gekommen seien einerseits die Probleme, überhaupt geeignetes Fachpersonal zu finden, andererseits die stark gestiegenen Lohnkosten. Damit sprechen sie einen grundsätzlichen Konflikt an, in dem sich kleine Pflegeheime befinden – die Wirtschaftlichkeit.
Gute Pflegekräfte sollen gut verdienen, Schleswig-Holstein steht bei den Tarifen mit an der Spitze, in einer eigenen Küche sollen die Mahlzeiten frisch nach den Bedürfnissen der Bewohner zubereitet werden, wie es in Schafflund üblich war, und zusätzlich steigen derzeit die Energiekosten.


Gestiegene Kosten, höhere Standards

So entsteht ein unüberwindlicher Berg an Kosten, was zur Folge hat, dass offenbar nur noch größere Einheiten mit mindestens 50 bis 70 Plätzen eine Chance haben. Außerdem steigen die Anforderungen an gewünschte Standards mit entsprechenden Auflagen.
So hängt der fehlende Bestandsschutz für die Altenpension „An den Auwiesen“ mit dem baulichen Zustand des Hauses zusammen. Der familiäre Charme dieses Hauses mitten in einem Wohngebiet war für die Bewohner und ihre Angehörigen ausschlaggebend, aber die Tatsache, dass es nur über drei große Bäder und zusätzliche Toiletten verfügt, widerspricht dem heutigen Standard, wo zu jedem Zimmer ein eigenes Bad gehört. Und wollte man diese nachträglich einfügen, müsste man die Zahl der Bewohner reduzieren.


Haus soll bis Ende des Jahres verkauft werden

Nun ist das Haus leer und steht zum Verkauf. Corinna August hofft, auch finanziell bald Licht am Ende des Tunnels zu sehen, „dass wir das Haus bis zum Ende des Jahres verkaufen können.“
Sie selbst arbeitet seit Beginn des Monats als examinierte Pflegekraft in Wanderup, kümmert sich um ihre pflegebedürftigen Eltern und ihren kranken Mann zu Hause und hat nur einen Wunsch: „Wir wünschen uns eine Lösung für das Haus, sodass alles seinen guten Abschluss findet.“
Gespräche mit dem Kreis Schleswig-Flensburg und mit der Heimaufsicht gab es auch von Seiten der Gemeinde. Dabei ging es jedoch vorrangig um die Frage, inwieweit man von kommunaler Seite den erhöhten Bedarf an Pflegeplätzen unterstützen könnte.
In der Haupt-, Finanz- und Wirtschaftsausschusssitzung berichtete Volkert Petersen und verwies auf die hohen Anforderungen und riesigen Hürden, die mit dem Bau einer Pflegeeinrichtung einhergingen, nicht zuletzt durch das Selbstbestimmungsstärkungsgesetz, in dem Qualitätsstandards festgelegt sind.
Bürgermeisterin Constanze Best-Jensen machte deutlich, dass eine ehrenamtlich tätige Gemeindevertretung nicht Betreiber einer Einrichtung sein könne. Letztlich war man sich einig, diese Diskussion in den Amtsausschuss zu tragen, zumal das Thema Pflege alle Einwohner des Amtes betrifft und gegebenenfalls sehr hohe Beträge bewegt werden müssten.

 

Quelle - SHz Helga Böwadt

 

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