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 Fahrrad-Weltreise seit 14 Monaten

03. 06. 2021

wegen Corona gestoppt: Weltenbummler Christopher Fritze hat sich in Laos häuslich eingerichtet

 

Das Fahrrad steht bereit, die Taschen werden rundum montiert, und schon schwingt sich Christopher Fritze in den Sattel und macht sich auf den Weg. Aber nein, es ist nicht der Weg raus aus Laos, wo der Weltenbummler wegen Corona seit nunmehr 14 Monaten festsitzt. (wir berichteten) „Wir haben hier mit ein paar Freunden eine Hilfsaktion gestartet“, erklärt der 37-Jährige aus Schafflund. Deshalb werden die Taschen nicht mit Reiseutensilien, sondern mit Nudelpaketen vollgestopft, die er in einem kleinen Geschäft in Luang Prabang gekauft hat. Weiter geht es auf den Markt, um frisches Gemüse zu besorgen, und dann trifft er sich mit seinem Kumpel Yaypee, der bereits massenhaft Lebensmitteltüten vorbereitet hat. Als alles eingetütet ist, kommen mehrere Freunde mit ihren Motorrollern, laden alles ein, stapeln mehrere Paletten mit frischen Eiern auf dem Rücksitz und fahren zu einem Studentenwohnheim. „Die Transportwege zwischen den Provinzen sind geschlossen, deshalb können die Familien keine Essenspakete schicken“, erklärt Fritze die schwierige Lage der Studenten – und viele Eltern hätten den Arbeitsplatz verloren, könnten also auch kein Geld schicken. Die Lage in Laos hat sich gerade seit Anfang Mai mit einem harten Lockdown dramatisch verschärft, weil es erstmals zu größeren Ausbrüchen in der Hauptstadt Vientiane und weiteren Orten gekommen ist. Obwohl Laos seit Beginn der Pandemie im März 2020 bis heute insgesamt nur 1737 Corona-Fälle gezählt hat, monatelang fast gar keine, waren die Maßnahmen aus Sorge vor einer Ausbreitung von Anfang an außerordentlich streng, sodass Christopher Fritze seine geplante Fahrrad-Weltreise nicht fortsetzen konnte und sich nun in Luang Prabang häuslich eingerichtet hat. Und er nimmt es gelassen: „Ich bin jetzt hier, damit lebe ich einfach. Die ganze Welt sitzt doch in einem Boot.“ Im vergangenen Jahr habe er noch von Tag zu Tag auf die aktuelle Lage geschaut, immer mit dem Wunsch, endlich weiterradeln zu können. Freunde hätten gesagt: „Was machst du noch hier, flieg doch nach Hause.“ Aber spätestens nach Neujahr habe er die Situation komplett akzeptiert: „Es hat ein mentaler Prozess stattgefunden: Es ist, wie es ist.“ Seitdem könne er sich noch mehr auf die Kultur und Sprache seines Gastlandes einlassen. Und so lebt er mittlerweile in einem Häuschen mit Garten, frühstückt im Schatten der Bananenstauden, genießt die Kontakte zu den Einheimischen und lebt ein total entschleunigtes Leben. „Das Lebensgefühl und die Lebensqualität sind hier bemerkenswert, nicht zuletzt, weil Familie und Hilfsbereitschaft einen hohen Stellenwert haben“, hat er festgestellt. Das habe er vor Weihnachten sehr eindrucksvoll erlebt, als er selbst plötzlich erkrankte und das Bett hüten musste: „Ich musste nicht um Hilfe fragen, die Nachbarn sind einfach von selbst gekommen.“ Und so ist er froh, nun seinerseits aktiv mithelfen zu können, um anderen in schwieriger Zeit Solidarität zu zeigen, denn zusätzlich zu den Studentenwohnheimen wurde auch ein Behindertenwohnheim mit Lebensmittelpäckchen versorgt. Diese Begegnung hat ihn sehr berührt: „Die Menschen erhalten zurzeit keine Unterstützung, weil die Eltern sie nicht geben können. Das waren so krasse Eindrücke – vor allem die unfassbare Dankbarkeit für diese kleinen Lebensmittelspenden.“ Aufgrund seiner Erlebnisse während seiner Weltreise durch zahlreiche Länder und der Erfahrungen während der Pandemie in Laos hat Christopher Fritze seinen Blick von außen auf Deutschland geschärft: „Vielen ist gar nicht bewusst, wie privilegiert man ist, wenn man in Deutschland lebt.“ Er wundere sich, wieviel Aufmerksamkeit kleine Gruppen mit skurrilen, überzogenen Forderungen in der Presse  bekämen: „Ich denke dann: Leute, lasst mal die Kirche im Dorf. Momentan geht es in der Pandemie nicht um einzelne, es geht um alle.“ Während bei uns die Impfungen kontinuierlich zunehmen, ist Laos noch am Anfang, aber die Bevölkerung hält sich an die Maskenpflicht und die Straßensperrungen. „Mit meinem Passierschein komme ich aber fast überall hin – und man kennt mich inzwischen, wenn ich mein Visum verlängern muss“, sagt Fritze. Seine Mutter Marlis Hamann aus Schafflund macht sich derweil keine Sorgen um ihren Sohn: „Warum sollte ich? Christopher lebt seinen Traum. Er ist ein in sich ruhender Mensch, der jetzt in einer völlig entschleunigten Zeit lebt.“ Außerdem habe sie häufig beim Skypen den direkten Kontakt und könne sehen, dass es ihm gut gehe - selbst jetzt im Sommer in Laos bei rund 40 Grad.

 

Infos und Videos über Christopher Fritze und die Hilfsaktion auf Youtube und Facebook

 

Quelle - SHZ Helga Böwadt

 

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