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Kritik am Präsenzunterricht

11. 01. 2021

Elternvertreterin Ruth Eggers aus Schafflund sieht in angesichts des aktuellen Infektionsgeschehens in der für heute vorgesehenen Schulöffnung eine große Gefahr

Ruth Eggers versteht die Welt nicht mehr. Ab Montag werden die Abschlussklassen im Land wieder im Präsenzunterricht beschult. „Ich bin schockiert“, sagt die Elternvertreterin der 10 a an der Grund- und Gemeinschaftsschule Schafflund. Angesichts der hohen Infektionszahlen sei es unverantwortlich, die Schüler mit Bussen in die Schule zu fahren und dort in Gruppen zu unterrichten. „Homeschooling hat bei uns an der Schule doch gut geklappt, warum wird es den Kindern jetzt schwer gemacht?“, fragt sie.
Mit ihrer Kritik sei sie nicht allein. Auch von anderen Eltern habe sie Äußerungen wie „Wir wollen das nicht“ gehört. Die Schüler müssten sich nachmittags an die Ein-Personen-Regel halten, kämen aber vormittags in der Schule mit Mitschülern der unterschiedlichsten Haushalte zusammen. Das sei ein eklatanter Widerspruch. Sie selbst gehöre zur Risikogruppe und sagt: „Ich bin in großer Sorge.“ Deshalb habe sie sich sowohl in einem Brief an die Ministerin gewandt als auch an die Redaktion des Tageblatts, in der Hoffnung, etwas zu bewirken, damit die Gesundheit aller vorrangig berücksichtigt werde.
Ihr Sohn Claas sei ein verantwortungsvoller Mensch. Der 17-Jährige findet zwar Präsenzunterricht grundsätzlich besser als Distanz-Lernen, weil die Lehrer mehr Zeit für einzelne Aufgaben und Fragen haben, aber im aktuellen Infektionsgeschehen sieht er eine Gefahr: „Ich gehe da nicht hin. Das ist der größte Fehler, den wir machen können. Homeschooling ist zurzeit wesentlich besser.“ Und er beklagt den frühen Zeitpunkt der Prüfungen: „Das ist unfair den Lehrern gegenüber, sie müssen jetzt den Stoff quetschen.“
Als sein Klassenlehrer Björn Reinicke seine Mutter als Elternvertreterin anrief, um ihr die Organisation des Präsenzunterrichts zu erläutern, reagierte diese entsetzt: „Der Unterricht findet zwar in kleinen Gruppen statt, aber in einer Kleingruppe sind neun Schüler. Außerdem arbeiten jeweils zwei Gruppen allein, während der Lehrer kurz der dritten Gruppe Aufgaben erklärt und dann weiterwandert.“ Ihr Fazit: Das Lernen auf Distanz funktioniere gut in Schafflund und sei zurzeit wesentlich effektiver für die Kinder.
Björn Reinicke bestätigt auf Nachfrage die sehr guten technischen Voraussetzungen und digitalen Konzepte der Schule und hofft dennoch auf eine möglichst schnelle Rückkehr zum normalen Unterricht an den Schulen, besonders für die Jüngeren. Dieses Ziel dürfte jedoch nicht durch den Unterricht nach Plan für die Abschlussklassen gefährdet werden.
Und er fügt noch einen weiteren Aspekt hinzu: Die Kettenreaktion, die durch den Unterricht in allen Fächern in den Abschlussklassen des Landes ausgelöst werde. „Die betroffenen Lehrkräfte müssen nun selbst ihre Kinder in die Notbetreuung schicken, auch wenn sie nur für zwei Stunden Fachunterricht in die Schule fahren, dadurch müssen mehr Erzieher und Lehrer dort eingesetzt werden, die wiederum ihre Kinder in die Notbetreuung geben.“
Ursprünglich hieß es im Schreiben der Ministerin Karin Prien nach der Pressekonferenz vergangene Woche, den Abschlussschülern sollten Präsenzangebote gemacht werden. Das hätte bedeutet, nur prüfungsrelevante Fächer wären an bestimmten Tagen vor Ort unterrichtet worden. In einer Präzisierung aus dem Ministerium erhielten die Schulen jedoch den Auftrag, in großen Räumen oder in Kleingruppen Unterricht gemäß Stundentafel zu erteilen und auch Klassenarbeiten zu schreiben.
Schulleiter Jan Lietzau bittet die Eltern, wenn sie Sorge haben, sich an die Schulleitung oder die Lehrer zu wenden, damit auch die, die zu Hause bleiben, mit Aufgaben versorgt werden. „Ich freue mich, dass das Homeschooling bei uns so positiv bewertet wird, dennoch setzen wir die Anforderungen des Ministeriums an den Präsenzunterricht bestmöglich um“, sagt er.
Inzwischen wurde die ab Montag gültige Landesverordnung veröffentlicht. Darin findet sich nun eine Kann-Bestimmung: Abweichend von Absatz 1 (bis zum 31. Januar findet Lernen auf Distanz statt) kann für die Schüler der Abschlussklassen Präsenzunterricht stattfinden, vorrangig für die Schüler, die im kommenden Schuljahr an einer Abschlussprüfung teilnehmen. Die Schulleitung reagiert auf diese abermals veränderte Situation, indem sie die Abschlussschüler am Montag im Distanz-Lernen zunächst zu Hause lässt und das weitere Vorgehen abklärt.

 

Quelle - SHZ Helga Böwadt

 

Foto: Claas und Ruth Eggers

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