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Eine Familie versorgt sich selbst

Schafflund

In der Küchenhexe lodert das Feuer und verbreitet heimelige Atmosphäre – gemütlich ist es an diesem nasskalten Herbsttag in der großen Wohnküche von Familie Lorenz. Beim Blick nach draußen zeigen sich die Spuren der ersten Nachtfröste: Die Sonnenblumen haben ihre Köpfe gesenkt, vom Zuckermais ragen nur noch graubraune Stängel empor.
Aber die jetzt einsetzende Vergänglichkeit führt bei Anna und Patrick Lorenz keineswegs zu Traurigkeit, ganz im Gegenteil. Im Keller sind die Regale gut gefüllt, und auch die Tiefkühltruhe mit ihren Vorräten könnte von der reichen Ernte des Jahres erzählen. „Wir haben kiloweise Tomaten geerntet“, erzählt Patrick Lorenz und gewährt einen Blick in das riesige Gewächshaus.
An den Pflanzengerippen hängen noch vereinzelte Früchte, aber der Großteil wurde inzwischen passiert und in Gläser abgefüllt. Anna Lorenz erzählt von einer erfolgreichen Premiere: „Zum ersten Mal haben wir Currysoße selbst gemacht, sieben Liter!“ Etwas Neues auszuprobieren, daran haben beide großen Spaß. Manches gelingt, anderes nicht: „Wir haben es jahrelang mit Knollensellerie versucht, aber das klappt nicht.“
Im Garten sei immer etwas, was gut oder schlecht laufe, meint Patrick Lorenz. „Wir lernen immer noch und schauen manchmal Youtube-Videos, um uns schlau zu machen“, ergänzt seine Frau. Zucchini, Salate, rote Bete, Spinat und Bohnen wachsen prima in den selbst gebauten Hochbeeten, und die vielen Beerensträucher liefern die Grundlage für leckere Marmeladen.

Hühner fressen die Überbleibsel
Der kleine Apfelbaum brach fast unter der Last seiner Früchte zusammen. Aus den Trauben am Spalier entsteht, wenn sie nicht vorher weggenascht wurden, später Traubensaft. Wenn man sich im Sommer und Herbst überwiegend aus der Fülle des Gartens ernährt, entsteht viel Biomasse, aber einen Komposthaufen sucht man hier vergeblich. „Das fressen alles unsere Hühner“, erklärt Patrick Lorenz. Der 42-Jährige kümmert sich um die Hühner, die Masthähnchen und, bis vor Kurzem, die Pute. Letztere liegt aber inzwischen schon in der Truhe – neben anderen geschlachteten Hähnchen. Für die Kinder Emilie (10) und Elenor (4) gehört auch das zum Kreislauf der Natur, mit dem sie hier hautnah aufwachsen.
Emilie hat selbst ein paar Küken in der Küche aufgezogen. „Ein Huhn hatte einen Geburtsfehler und konnte nicht laufen, dann hat Papa es erlöst“, erzählt die Zehnjährige.
Sie war übrigens auch der Grund, weshalb ihre Eltern mit der Selbstversorgung begonnen haben. Als sie vor zwölf Jahren in das Haus in Schafflund einzogen, konnte davon noch keine Rede sein: „Wir hatten ursprünglich gar keine Lust auf Garten.“ Aber während Annas Schwangerschaft wurde das erste kleine Gewächshaus gebaut, und „wir verabschiedeten uns von den Fix-Tüten, begannen, alles selbst zu machen“.
Auf rund 1000 Quadratmetern entstanden nach und nach weitere Gewächshäuser. Aus einfachen Mitteln wie Blechen oder Draht-Warenkörben, die mit Unkrautvlies ummantelt wurden, bauten die beiden rund zehn Hochbeete. Sträucher, Weinreben, ein Pfirsichbaum am Haus und die Hühnerställe mit Gehege füllen einen Großteil des Grundstücks, ein weiterer Unterstand beherbergt das Brennholz für die Küchenhexe – aber es finden auch noch ein Trampolin und ein Spielhaus für die Kinder Platz. Jede Ecke wird genutzt.
Anna Lorenz lacht: „Manche nennen unser Haus die Villa Kunterbunt.“ Die 37-Jährige verarbeitet auch Wildpflanzen, die sich von selbst angesiedelt haben, macht aus Spitzwegerich Creme gegen Juckreiz und aus der Königskerze ein Mittel gegen Husten.

Selbstversorger trotz Berufstätigkeit
Ihr Mann hat sich zum Brotback-Spezialisten entwickelt, kauft das Mehl dafür in 25-Kilo-Säcken und sagt: „Ich brauche keine Rezepte, backe nach Gefühl.“ Und obwohl beide voll berufstätig sind, bleibt auch noch Zeit für viele Arbeiten am Haus selbst.
Gerade wurden die Fenster neu gestrichen und die Fensterbänke ausgetauscht – kein Problem, wie sie sagen, schließlich sind beide von Haus aus gelernte Maler und Lackierer. In der Wohnküche steht nun ein selbst gebauter Esstisch, groß genug für Familienbesuch zum Schnüsch-Essen, denn: „Das machen wir seit sechs Jahren, um die Tradition unserer Oma fortzusetzen“.

 

Quelle - SHZ Helga Böwadt

 

Bild zur Meldung: Eine Familie versorgt sich selbst

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Eine Familie versorgt sich selbst (30.​10.​2025)