Ein traumhafter Garten für alle Sinne
„Als ich das erste Mal in diesen Garten ging, war ich fasziniert von der Vielfalt. Es ist so ein wunderschöner Garten mit Blumen und bequemen, breiten Wegen“, schwärmt Gisela Eberhardt. Sie ist noch neu im Tagestreff von Schafflund, nimmt erst seit drei Wochen das Angebot wahr und sagt, sie habe sofort ihrem Sohn in Goslar ein Foto schicken müssen, „denn dann sieht er, weshalb ich so begeistert bin.“ Und damit ist sie nicht allein.
Beim Besuch des vor einem Jahr angelegten Gartens hat ein gut gelauntes Damen-Quartett der Dienstagsgruppe große Lust, die vielen Facetten dieser außergewöhnlichen Anlage zu zeigen. Los geht es direkt zum Hochbeet, wo Petersilie und Möhren üppig wachsen. So reichlich, dass Rosemarie Eckhoff auch einen Strauß mit nach Hause nehmen durfte, wie sie erzählt. Sie führt uns weiter vorbei an den schon teilweise abgeernteten Gemüsebeeten hin zu ihrem Lieblingsplatz: „Hier im Pavillon hat man einen wunderbaren Blick auf alles.“ Die Kletterrosen – alles alte Sorten – sind in ihrer ersten Saison schon ein wenig gewachsen und haben duftende Blüten hervorgebracht, sollen aber im Laufe der Zeit zusammen mit der Clematis den gesamten Pavillon überwuchern.
Hedi Lubowitz spaziert mit ihrem Rollator die Wege entlang, von denen sie so beeindruckt ist: „Es ist erstaunlich, wie viele Wege auf diesem Gelände angelegt wurden – und alle für Rollstühle und Rollatoren bestens geeignet.“ Sie liebt nicht nur duftende Rosen, sondern auch Minze, Majoran oder Thymian, also geht es direkt zur großen Kräuterspirale, die man gut umrunden kann. Auf dem Weg dorthin bleibt Hedi Lubowitz noch an einem Zaun stehen und erklärt, weshalb dort eine Laterne hängt. Das Licht verweist auf die weißen Sterne, die, mit Namen und kleinen Schleifen versehen, an die verstorbenen Gäste des Tagestreffs erinnern. „Es war Horst Arndt, der die Idee dazu hatte, damit niemand in Vergessenheit gerät“, erklärt Laura Hansen, Pflegedienstleiterin im Tagestreff. Daraufhin wurden die Sterne extra getöpfert – und nun hängt dort auch schon der Stern des Ideengebers.
Erinnerungen haben einen hohen Stellenwert in diesem Garten, der allen Gästen des Tagestreffs Freude bereiten soll, insbesondere aber diejenigen bei der Planung im Blick hatte, die an Demenz erkrankt sind. Ob Himbeeren, Stachelbeeren oder Johannisbeeren – die Sträucher luden schon in diesem Sommer mit reichlich Früchten zum Naschen ein. Ein Geschmack, den man sicherlich mit der Kindheit verbindet, wo man Erdbeeren naschend durch den heimischen Garten streifte und so manche Erbsenschote aufknackte.
Viele haben sich schon vor Jahren in ihrem Zuhause von einem Gemüsegarten getrennt, alles pflegeleichter angelegt. Kommen sie nun an einem Wochentag in den Tagestreff, erleben sie wieder, wie die Stangenbohnen wachsen oder Kartoffeln aus der Erde gebuddelt werden. „Ab und zu kochen wir hier selbst“, sagt Malena Lemke, stellvertretende Pflegedienstleitung. Das gehöre zum Aktivitätsprogramm. „Einmal gab es Schnüsch, das kam gut an, und einmal haben wir unter Anleitung von Gerda (94) Bohnen eingemacht.“ Es gehe im Tagestreff einerseits um kognitive Anregungen, gleichzeitig aber auch um vielfältige Sinneswahrnehmungen.
Also zurück zur Gartenführung. Hannemarie Rolfs sagt spontan: „Ich finde die vielen Bänke schön, auf denen man sich zurückziehen kann.“ Doch jetzt nimmt sie nicht Platz, sondern rückt den Fokus auf den Vogel-Tower, unter dem sie stehenbleibt und nach oben zu den zahlreichen Nistkästen schaut: „Hier konnten wir schon brütende Meisen beobachten.“ Sie nimmt ein Futtersilo vom unteren Holm in die Hand, denn das imposante Holzgestell verändert im Laufe der Jahreszeiten seine Funktion und wird zur beliebten Vogelbeobachtungsstation während der Winterfütterung. In unmittelbarer Nähe macht Hannemarie Rolfs auf ein weiteres Highlight in einem von Stauden umgebenen Beet aufmerksam: „Hier sprudelt immer das Wasser aus einem Stein.“ Bei der Gestaltung des Gartens wurde nichts dem Zufall überlassen. Svend Carstensen entwickelte in Zusammenarbeit mit der Leitung des Tagestreffs ein Refugium für alle Sinne, in dem sich die Gäste mit oder ohne Demenz wohlfühlen. „Alle nutzen den Garten. Seitdem es ihn gibt, sind unsere Tagesgäste viel mehr in Bewegung“, hat Laura Hansen festgestellt. Vor allem führen alle Wege irgendwohin, es gibt keine Sackgassen, jeder kehrt sicher zurück. Malena Lemke empfindet die gesamte Atmosphäre entspannter, denn früher, als es nur einen Rasen gab, seien viele nur bis zur Terrasse vor die Tür gegangen, jetzt dagegen genießen sie die Blumenpracht auf ihren Spaziergängen zwischen Rittersporn, Storchschnabel und Rosen. Und sie pflücken auch gern einen Strauß für die Tische im Tagestreff.
Info
Tagestreff der Sozialstation im Amt Schafflund
Täglich werden 16 Tagesgäste betreut. Montag bis Freitag von 8.00 bis 16.00 Uhr mit Fahrdienst.
Weitere Infos auf sozialstation-schafflund.de
Bild zur Meldung: Ein traumhafter Garten für alle Sinne
Fotoserien
Ein traumhafter Garten für alle Sinne (26.10.2026)
So sieht es aus im Garten der Sinne des Tagestreff.