In Schafflund weiden Wasserbüffel
Für die Besitzer Janike und Sören Bromberg aus Handewitt sind die Tiere Teil eines größeren Plans
Nach einigen Minuten ist ein Knick passiert. Ab nun wachsen mehrere dunkle Flecken: ein Bulle, zwei Ochsen, mehrere Kühe und auch einige Kälber – zum Teil erst wenige Tage alt – haben sich bei der Wärme in die südwestliche Ecke verzogen. Einige Tiere nähern sich einem Tümpel – und werden ihrem Namen vollauf gerecht. Sie schreiten ins Wasser, um sich abzukühlen. Kurz darauf schaut nur noch der Kopf heraus.
Seit diesem Frühling weidet eine Herde Wasserbüffel am westlichen Ende von Schafflund. Vom Gattertor sind die Tiere selten zu sehen. Erfolg hat man dagegen als Teilnehmer einer offiziellen Exkursion, die einen Marsch quer über die Naturschutzfläche am Schafflunder Mühlenstrom beinhaltet.
Büffel und Galloways verstehen sich nicht
Die kleine Leni freut sich. Seit Mai, seitdem die Herde nicht mehr in Handewitt-West grast, hat sie die Wasserbüffel nicht mehr gesehen. Ihre Eltern Sören und Janike Bromberg sind die Besitzer dieser besonderen Rinder. „Die Tiere sind neugierig und legen sich manchmal auf die Seite, um gestreichelt zu werden“, erzählen sie. „Manchmal sind sie störrisch wie ein Esel, häufiger aber anhänglich wie ein Hund.“
2015 hatte das Paar mit zwei Galloways angefangen. 2017 erwarben sie die ersten sechs Wasserbüffelkühe aus Brandenburg. Im Rinderpass ist bei allen sechs eine italienische Mutter verzeichnet. Die Wasserbüffel weideten zunächst direkt an der B199, dann bauten sich die Brombergs in Handewitt-West einen neuen Betrieb auf. Auf dem Grundstück eines alten Bauernhofes wurde ein alter Stall saniert, ein Wohnhaus errichtet und dann ein weiterer Stall gebaut. Inzwischen haben die beiden Handewitter rund 45 Wasserbüffel und 70 Galloways.
Beide Arten sind nicht gemeinsam anzutreffen. Die Wasserbüffel sind auf Flächen in Schafflund, Wanderup, Wallsbüll und Weding verteilt. „Sie sind dominant und scheuchen andere Rinder“, erklärt Sören Bromberg, der seine Tiere gar nicht so exotisch findet wie andere, die diese Rinderart hauptsächlich in Asien verorten. „Es gibt sie auch in freier Wildbahn in Rumänien oder Ungarn“, erzählt Sören Bromberg. „Und vor rund 5000 Jahren sollen Wasserbüffel auch bei uns gar nicht so selten gewesen sein.“
Wasserbüffel sind pflegeleicht
In Deutschland sind sie heute häufig Vertreter einer extensiven Weidewirtschaft, die sich gut mit der Ökologie eines Naturschutzgebietes verträgt. Sie halten den Bewuchs flach, sind nicht wählerisch, aber auch so „plietsch“, dass sie das giftige Jakobskreuzkraut, das auch in Schafflund an mehreren Stellen herrlich gelb blüht, meiden. Die fladenförmigen Exkremente kurbeln die Artenvielfalt bei den Insekten und Vögeln an.
Die Brombergs beschreiben ihre Wasserbüffel als pflegeleicht. In Schafflund schreibt der Pachtvertrag zwar vor, sie Ende Oktober von der Fläche zu nehmen und sie zurück nach Handewitt-West zu bringen. Die Tiere könnten aber auch den Winter über draußen bleiben. „Sie haben eine dicke Fettschicht, die sie warm hält, und brauchen selbst bei minus 14 Grad nur etwas Stroh zum Draufliegen“, erklärt Janike Bromberg. „Bei uns in den Stall kommt höchstens mal eine kranke Kuh oder die ganze Herde, wenn es sehr nasskalt und windig ist.“
Außerdem sind die Wasserbüffel „leichtkalbig“. Sie gebären unkompliziert und brauchen keine Betreuung. Beim letzten Besuch war der Bauch der Mutter noch dick, jetzt stolpert ein kleines Kalb einer Kuh hinterher. Ist es ein Männchen, wird es kastriert. „Sie sind dadurch entspannter“, sagt Janike Bromberg. „Außerdem sind sie ja der Sohn oder der Bruder unserer Kühe.“ Der einzige Bulle stammt aus Dithmarschen. Erst im nächsten Jahr lässt sich feststellen, ob er alle Kühe gedeckt hat. Die Tragzeit beläuft sich auf zehn bis elf Monate.
In diesem Winter möchte das Paar wieder etwas Fleisch vermarkten – auch von mindestens einem Wasserbüffel. Das sind etwa 300 Kilogramm. Sören Bromberg setzt direkt auf der Weide einen Kugelschuss. „Bevor sie den hören, sind die Tiere schon tot“, erklärt er. „So werden sie den Stress, den der Transport und der Schlachthof mit sich bringen, nicht erleben. Zudem ist es besser für die Qualität des Fleisches, das wenig Cholesterin aufweist.“
Mit Wasserbüffeln in die Selbstständigkeit
Er ist eigentlich Ingenieur in der Windenergiebranche, versucht aber mit „Brombergs Naturwerft“ einen Weg in die Selbstständigkeit einzuschlagen. Die Vermarktung des Rinderfleisches ist ein Standbein, ein zweites die Prämien für die extensive Weidewirtschaft in Naturschutzgebieten. Ein weiteres Konzept: die Entwicklung von Flächen in verschiedenen Naturräumen zu neuen Ökokonto-Gebieten. Dort könnten dann auch Wasserbüffel weiden.
Quelle - SHZ Jan Kirschner
Bild zur Meldung: In Schafflund weiden Wasserbüffel
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Wasserbüffel in Schafflund.