Mit Hightech Wege gegen Schmerzen finden
Wie geht’s den Gelenken von „Linus“? Und was bedeutet das für die Schmerzmittel, die er nimmt? Um das herauszufinden, setzen die Schafflunder Tierärzte auf ihr neues CT-Gerät
„Linus“ geht es nicht gut. „Er mag kaum noch laufen“, sagt Manfred Thomsen aus Handewitt bekümmert. Der Labrador gehört seit sechs Jahren zur Familie, „ist wie ein Kind für uns, kommt immer mit in den Urlaub“, und hat sich über die Jahre als richtiges Sorgenkind gezeigt, denn „er fängt sich einfach alles ein.“ Etliche Besuche bei Tierärzten seien nötig gewesen, doch seit zwei Jahren fühle er sich bei den Nord-Ostsee Tierärzten in Schafflund gut aufgehoben. „,Linus‘ spaziert von ganz allein ins Wartezimmer“, sagt Thomsen.
Heute steht ein besonderer Untersuchungstermin an. Deshalb begleitet Sandra Schnackelsen ihren Chef. Sie ist eine gute Freundin der Familie, hat „Linus“ schon oft in Obhut genommen und ist mit ihm vertraut. „Wir wollen gucken, wie die Gelenke aussehen, was noch möglich ist und ob wir die Schmerzmittel absetzen können“, sagt Thomsen. Das „Gucken“ wird diesmal professionell mit neuester Technik vor sich gehen.
Seit November verfügen die Nord-Ostsee Tierärzte über ein Gerät zur Computertomographie (CT), „eine Investition in die Zukunft“, wie Thomas Acktun, einer der vier Praxisinhaber, erklärt. 17 Veterinärmediziner arbeiten in Schafflund sowie in der Zweigstelle Tarp. Es sei wichtig, weiterhin sehr gute Mitarbeiter zu bekommen – und diese würden auch technisch mit der Zeit gehen wollen, sagt Acktun. Das Röntgen gehört mittlerweile fast überall dazu, ein CT-Gerät dagegen hat nicht jede Praxis.
Für präzise Diagnosen sind in bestimmten Fällen die dreidimensionalen Schichtaufnahmen des CTs wesentlich eindeutiger. Mitinhaber Torsten Bergt nennt ein Beispiel: „Ein Ganzkörperscan, um Metastasen aufzuspüren, hilft bei der Entscheidung, ob eine Operation sinnvoll ist oder nicht.“
Ebenso helfen die CT-Aufnahmen bei Problemen mit den Atemwegen, zu engen Nasenlöchern oder Fehlstellungen bei den Zähnen, von denen die brachyzephalen Rassen (Mops, Französische und Englische Bulldogge usw.), deren gezüchtete Kurzköpfigkeit zu erheblichen gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen kann, häufig betroffen sind. Wie dem Tier möglicherweise durch eine Operation Erleichterung verschafft werden kann, dafür liefert eine CT-Aufnahme belastbare Details.
Untersuchung kostet bis zu 2000 Euro
Zur Vorbereitung haben sich Torsten Bergt und seine Kollegin Olga Boncourt im vergangenen Frühjahr zur Ausbildung nach Rostock begeben, da ein entsprechendes Zertifikat für die Inbetriebnahme eines CT-Gerätes Voraussetzung ist. Uwe Schieferdecker und Dr. Levke Jessen, die das Inhaberquartett komplettieren, versprechen sich von der Anschaffung für die Kleintierpraxis nicht nur einen diagnostischen Vorteil für die eigenen Patienten, sondern auch für die, die aus den umliegenden Praxen überwiesen werden.
Dafür wurde viel Geld in die Hand genommen: eine Summe im mittleren sechsstelligen Bereich für den Computertomographen einschließlich der nötigen Umbaumaßnahmen mit der strahlenschutztechnischen Ausstattung. Kein Wunder also, dass die Kosten für eine entsprechende Untersuchung von Hund oder Katze, je nach Aufwand, 1200 bis 2000 Euro betragen können. Deshalb empfehlen die Tierärzte jedem Tierhalter, eine Krankenversicherung abzuschließen, die im Bedarfsfall eben auch eine CT-Untersuchung abdeckt.
„Linus“ bekommt von der Untersuchung gar nichts mit. Er erhält eine leichte Narkose, sodass er sich nicht rührt, während er in die Röhre geschoben wird. Die Aufnahmen selbst dauern dann nur wenige Minuten, sodass er schon bald mit seinen menschlichen Begleitern nach Hause kann. Doch das Ergebnis macht keine Hoffnung auf Heilung durch eine Operation. Die Ellbogengelenke sind schon zu stark durch Arthrose verändert. Jetzt ruhen die Hoffnungen auf einer modernen ACT-Therapie mit Eigenblut und einer Physiotherapie gegen die Schmerzen.
Quelle - SHZ Helga Böwadt
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