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„Wie eine schöne Insel“

26. 03. 2020

Die Bewohner des Pflegeheims „Haus am Mühlenstrom“ in Schafflund werden zurzeit abgeschirmt und von den Mitarbeitern intensiv betreut Schafflund Fast könnte man meinen, hier gehe alles seinen gewohnten Gang – trotz der Corona-Krise. Für die Bewohner des Seniorenpflegeheims „Haus am Mühlenstrom“ in Schafflund verläuft der Alltag so gut es geht nach seiner gewohnten Struktur. Dafür sorgen die vielen Mitarbeiter von den Pflegekräften und
dem sozialen Dienst bis hin zum Küchenteam. „Alle sind noch an Bord“, freut sich Einrichtungsleiter Erik Claußen. „Sie haben sich untereinander geholfen und die Betreuung ihrer Kinder hingekriegt.“ Für die Bewohner soll alles so normal wie möglich verlaufen. Kein Wunder, dass Mathilde Johannsen, die seit etwa vier Jahren im Pflegeheim lebt, meint: „Es dürfen keine Besucher kommen, sonst merken wir
nichts davon.“ Und sie zählt auf, welche Aktivitäten während der Woche immer noch stattfinden: „Heute Vormittag hatten wir Gedächtnistraining, das mag ich sehr gern.“ Am Tag zuvor habe man sich zum Klönschnack in geselliger Runde getroffen, sonnabends würde die Zeitung vorgelesen und zwischendurch
gäbe es noch Gymnastik, Kegeln und mehr. Selbst die monatliche Andacht fällt nicht weg, weil kein Pastor kommen muss, sondern Manuela Reineke, die zum sozialen Dienst gehört, diese auch bisher mit den Bewohnern gefeiert hat. Aber so ganz spurlos bleibt die außergewöhnliche Situation natürlich nicht.
Mathilde Johannsen hat das Glück, dass ihre Tochter in der hauseigenen Wäscherei arbeitet, sie deshalb zumindest noch diesen persönlichen Kontakt halten kann. Anders sieht es für die Mitbewohner aus. „Wir haben unsere psycho-soziale Betreuung verstärkt“, erzählt Luana Hauke, Leiterin des sozialen Dienstes,
„wir wollen trösten, weil einige schon sehr traurig sind, da die Angehörigen nicht mehr kommen und man nicht weiß, wie lange es dauert.“ Dazu gehören auch Spaziergänge an der frischen Luft rund ums Haus an der Au, jetzt, wo die Frühlingssonne endlich scheint. Sie und ihre acht Mitstreiter des sozialen Dienstes sind positiv motiviert, eine angstfreie, gewohnte Atmosphäre aufrecht zu erhalten. „Wir haben es ja gut
hier, das „Haus am Mühlenstrom“ ist wie eine schöne Insel.“ Und sie berichtet von kreativen Ideen der Angehörigen: „Eine Bewohnerin bekam eine Karte mit dem Foto ihrer Urenkelkinder.“ Die
Rückbesinnung auf das Schreiben von Briefen oder das Verschicken kleiner Päckchen fände sie hilfreich für alle in dieser Ausnahmesituation. Etliche Bewohner, mit Ausnahme der an Demenz Erkrankten, halten den Kontakt nach außen über das Telefon, einige können über das Handy Fotos empfangen. Damit das intensiv und ohne finanzielle Einschränkungen möglich ist, hat sich Erik Claußen entschieden,
sämtliche Telefonrechnungen der Bewohner zu übernehmen. „Unser Chef ist so ein positiv denkender Mensch“, sagt Luana Hauke. Und was ist im Moment die größte Herausforderung für den Chef? „ Das Telefon steht nicht still“, sagt er, der froh ist, dass Anbau und Modernisierung jetzt größtenteils beendet sind. „Jeder darf uns anrufen. Vor allem die Angehörigen fragen nach, wie es geht, das ist jetzt besonders wichtig.“ Bei der Ausstattung der Pflegekräfte mit Mundschutz und Desinfektionsmitteln sei noch alles
im grünen Bereich. „Die Mitarbeiter haben Hinweise zur Vorsicht im privaten Bereich bekommen. Wir sind im engen Kontakt zum Gesundheitsamt und zur Heimaufsicht.“ Und somit dürften im Notfall noch nächste Angehörige für eine halbe Stunde ins Haus kommen.

 

Foto
Am vergangenen Freitag waren bei schönstem Frühlingswetter noch Gespräche und Foto im Freien möglich – natürlich auf Distanz. Luana Hauke, Leiterin des sozialen Dienstes, (links) und Erik Claußen, Leiter des Seniorenpflegeheims „Haus am Mühlenstrom“, gestalten den Alltag für die Bewohner (hier Mathilde Johannsen) in der Corona-Krise so normal wie möglich.

 

Text - SHZ Helga Böwadt

 

Foto: Vorschaubild zur Meldung: „Wie eine schöne Insel“

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