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Ein Ort für Schwerstbehinderte

14. 02. 2020

Spatenstich in Schafflund: Neue Wohnanlage der Mürwiker Werkstätten bietet 30 Plätze für Menschen mit hohem Pflegebedarf

 

Fegten morgens noch Windböen und Hagelschauer über das Grundstück der Mürwiker Werkstätten in Schafflund, so riss der Himmel pünktlich zum ersten Spatenstich für die neue Wohnanlage auf und ließ die feierliche Zeremonie bei strahlendem Sonnenschein ablaufen. Ein gutes Omen. Kein Wunder, dass die Beteiligten und ihre zahlreichen Gäste ebenso strahlten. „Fünf Jahre nach der ersten Idee ist heute tatsächlich Baubeginn“, sagte Thomas Stengel, Geschäftsführer der Mürwiker GmbH, erleichtert. 2015 habe man das 9000 Quadratmeter große Grundstück im Baugebiet Dammacker gekauft, dann begann der lange Weg durch die behördlichen Genehmigungsverfahren, sodass genau vor einem Jahr endlich der Bauantrag gestellt werden konnte. Im Juli seien die Ausschreibungen erfolgt, und im Dezember stimmten der Kreis und der KOSOZ (Koordinierungsstelle soziale Hilfen der schleswig-holsteinischen Kreise) den Kosten zu. Diese haben sich seit der zu Beginn vorgenommenen Schätzung inzwischen auf 10,6 Millionen Euro erhöht.

„Hier entsteht eine Wohnanlage mit 30 Plätzen für Menschen mit schweren Mehrfachbehinderungen“, erläuterte Stengel. Das insgesamt 2800 Quadratmeter große Gebäude wird zum einen drei Wohnbereiche für jeweils zehn Bewohner mit hohem Assistenzbedarf beherbergen, zum anderen eine Tagesstätte für ebenfalls 30 Personen und einen Verwaltungstrakt. Der größte Teil der Wohnheimbewohner, die in keinen Werkstätten arbeiten können, wird zur Schaffung einer guten Tagesstruktur die Tagesstätte besuchen. Hier wird das Zwei-Milieus-Prinzip umgesetzt: Arbeitsstätte und das Zuhause unterscheiden sich.

„Ich finde es gut, dass die Leute, die Hilfe und Pflege brauchen, sie hier auch bekommen“, freute sich Yannick Lause vom Bewohnerbeirat Flensburg. Freude war ebenso Ralf Paulsen vom Angehörigen- und Betreuerbeirat anzumerken: „Es ist wichtig, mehr Plätze zu schaffen, denn viele Schwerstbehinderte werden zu Hause betreut, aber ihre Betreuer sind oftmals schon jenseits der 70 und schaffen es kaum noch.“ So gibt es bereits eine lange Warteliste, weil alle Plätze im Brombeerhof Munkbrarup besetzt sind.

Der Standort Schafflund wurde auch gewählt, weil er genau die Mitte zwischen Niebüll und Flensburg trifft. So waren auch etliche Nordfriesen zum Spatenstich angereist. Unter ihnen Kathrin Elshoff, Abteilungsleiterin des Bereichs Arbeiten in den Werkstätten in Niebüll: „Der Wille und die Wünsche der Menschen, die bei uns wohnen, haben für unsere Entscheidungen Vorrang.“ Bürgermeisterin Constanze Best-Jensen unterstrich die positive Haltung der Gemeinde, die sich „ein Dorf für Kinder, ein Dorf für alle“ nennt: „Diese Menschen mit besonderen Bedürfnissen nehmen wir gern auf und freuen uns, dass sie mitten im Wohngebiet leben werden.“

Zurzeit sind bei den Mürwikern und ihren Tochterfirmen 1400 Mitarbeiter beschäftigt. Sobald – vermutlich Ende 2021 – der neue Wohnkomplex fertig ist, kommen 30 Stellen hinzu.

 

Text - SHZ Helga Böwadt

 

Foto: Vorschaubild zur Meldung: Ein Ort für Schwerstbehinderte

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