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Ohne Plan per Rad durch Osteuropa

Schafflund , den 10.02.2018
Ingrid und Uwe Martensen genossen in Litauen, Kaliningrad und Polen Gastfreundschaft und überwältigende Natur / Vortrag am Montag
 

 „Über Ostpolen gibt es keine Reiseführer. Wir haben alle Verlage abgeklappert“, sagt Uwe Martensen aus Schafflund. Das habe sein und das Interesse seiner Frau Ingrid geweckt, und so machten sie sich mit dem Fahrrad auf, die unbekannten Landschaften selbst zu entdecken. 1000 Kilometer legten sie dabei zurück. Als sie auf der Anreise mit der Fähre von Kiel nach Klaipeda unterwegs waren, hatten sie noch keinen Zeitplan: „Gemäß unserer Reisephilosophie, nur grob zu planen und dort zu bleiben, wo es uns gefällt, hatten wir uns nicht festgelegt.“ Letztlich waren sie drei Wochen lang unterwegs und radelten gut sechs Stunden täglich.

Die erste Etappe führte über die Kurische Nehrung. Als sie sich von litauischer Seite der russischen Grenze näherten, holte Ingrid Martensen ihr Wörterbuch hervor: „Ich wollte die Grenzbeamten mit einem „Guten Morgen“ auf Russisch begrüßen, aber der junge Mann antwortete fröhlich ,Guten Tag!‘ auf Deutsch – was auch besser zur Tageszeit passte.“ Radfahrer begegneten ihnen auf der Nehrung kaum, aber in der Vogelwarte in Rositten herrschte lebhaftes Treiben. „Das war spannend. Dort fangen sie die Zugvögel mit riesigen Netztrichtern, ähnlich unseren Vogelkojen“, erzählt Ingrid Martensen, „die Population wird erfasst und die Vögel erhalten eine Beringung“.

Die Reise durch die russische Exklave Kaliningrad war voller Gegensätze: Einerseits schmucke Seebäder an der Küste, andererseits Schotterwege und nur vereinzelt Unterkünfte für müde Radfahrer im Binnenland. „Aber in jedem kleinen Ort gibt es einen Tante-Emma-Laden, in dem wir uns mit frischen Brötchen und Obst eindecken konnten“, sagt Uwe Martensen.

In der Stadt Kaliningrad/Königsberg beeindruckte ihn besonders die neu gebaute „Arena Baltika“, in der bei der Fußball-WM vier Vorrundenspiele stattfinden werden. „Überall gibt es neue Promenaden und Pflasterungen – in die Verschönerung der Stadt wird angesichts der WM gerade viel Geld gesteckt.“ Keine Sanierung habe dagegen die prachtvolle Christ-Erlöser-Kathedrale nötig, ein wahres Schmuckstück, das erst 2006 eingeweiht wurde. „Wir hatten Glück, neben der Kathedrale tanzten gerade etliche Volkstanzgruppen aus Russland“, erzählt seine Frau.

In Polen genossen beide Natur pur fernab größerer Städte. „Wir sind tagelang durch Wälder und riesige Sumpfebenen geradelt“, schwärmen die beiden, die schon an Elbe, Main und Loire unterwegs waren. „Aber diese unberührte Natur war überwältigend.“ Überall hätten sie sich mit Händen und Füßen verständigt und herzliche Gastfreundschaft erlebt. „Als wir ein Picknick machten, kam ein Mann auf uns zu und bot uns dampfende Piroggen an“, sagt Uwe Martensen, und seine Frau ergänzt: „Wir sind dahin geschmolzen, so lecker waren sie.“

Während der Reise spielte das Wetter mit, doch als es einmal regnete, blieben sie kurzerhand etwas länger im Eremitenkloster am traumhaften Wigry-See und besuchten eine Messe. Rund 2000 Kilometer führt der „Green Velo“ durch Ostpolen, ein Radweg, der als EU-Projekt gerade gebaut wurde. „Alles war super ausgeschildert, aber teilweise waren die Wege schwer befahrbar und noch nicht ganz fertig“, sagt Uwe Martensen. An ihrem Zielort Siemiatycze traten sie schließlich die Heimreise an – mit der Bahn über Warschau und Berlin.

Der Ortskulturring Schafflund lädt am Montag um 19.30 Uhr zu einem Vortragsabend „Russland und Green-Velo“ mit Uwe Martensen in das Bürgerhaus ein. Der Eintritt ist frei.

 

Text - SHZ Helga Böwadt