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„Rollentausch“ kam beim Publikum gut an

Schafflund , den 05.12.2017

Schafflund Haben es Männer oder Frauen leichter im Leben? Ein Disput über diese Frage kann durchaus sehr kontrovers geführt werden, aber was für weitreichende Folgen es haben kann, wenn der Wunsch „Ich würde gern mal in deiner Haut stecken“ plötzlich, begleitet von Blitz und Donnerwetter, in Erfüllung geht, zeigte die Amateurgruppe „Haallicht“ von der Volkshochschule Leck am Wochenende im Landgasthof „Utspann“ in Schafflund auf temperamentvolle und überaus vergnügliche Weise in ihrem Stück „Rollentausch“ oder „Die Wilden in der Wüste“ von Claudia Klein.

Eine kleine Filmcrew soll einen Werbespot für das verführerische Parfüm „Arabia“ drehen, aber Regisseurin Charly (Silke Lahmann) hat so ihre Mühe, die leicht exaltierte Hauptdarstellerin Yvonne Knatterfeld (Birgit Gebauer-Dopp) und den in die Jahre gekommenen Frauenheld Till Schweizer (Joachim Wiebecke) zu ergreifenden Liebesszenen zu bewegen. Da hilft auch das orientalisch nachempfundene Ambiente eines opulent ausgestatteten Wüstenzeltes nichts – Techniker Rüdi (Peter Hermann) verzweifelt schier an den Star-Allüren der Protagonisten. Und zwischendurch stolpert die tollpatschige Assistentin Stefanie (Christina Schößler) durch die Szene und sorgt mit ihren naiven Kommentaren auch nicht gerade für Ruhe. Einzig Regieassistentin Marion (Simone Born) behält einigermaßen die Nerven und den Überblick, bis sie in Ermangelung eines Friseurs für die Diva ihren Bruder Mark (Rainer Schößler) einschleust – einen echten Macho mit frauenfeindlichen Sprüchen. Und so kommt es, wie es in einer Komödie kommen muss: Ein handfester Streit zwischen Yvonne und Mark führt zu oben genannter Szene und der Erkenntnis, tatsächlich im Körper des anderen zu stecken – für beide einfach nur entsetzlich.

Die Zuschauer quittierten die schauspielerischen Leistungen des Ensembles mit häufigem Szenenapplaus: Als Christina Schößler samt Kleiderständer mit einer Rolle vorwärts auf dem großen Futonkissen landete, als Joachim Wiebecke nach vielen herrlich falschen Versuchen endlich fehlerfrei den Satz herausbekam: „Du liegst dort wie eine Sphinx“ oder als Peter Hermanns Lockenpracht mit einer kompletten Tube Gel ruiniert wurde. Allen voran aber bestachen Birgit Gebauer-Dopp und Rainer Schößler in ihren vertauschten Rollen, die ihnen im zweiten Akt Mimik, Gestik und Körpergefühl für das andere Geschlecht abverlangten – was sie überzeugend meisterten. Und bei aller Situationskomik gab es in ihren lebhaften Wortwechseln durchaus Philosophisches über so manches Rollenklischee, das sowohl Männern als auch Frauen anhaftet. Nach zwei Stunden amüsanter Unterhaltung stellte Friseur Mark – mittlerweile wieder im eigenen Körper – kurz und knapp in Anlehnung an einen bekannten Werbespot fest: „22 Uhr – Schafflund – Die Frisur sitzt.“

Im Frühjahr gibt es ein neues Stück des „Haallicht-Theaters“ in einem anderen Genre: Ein spannender Psycho-Thriller nach Stephen Kings „Misery“. Karten als Weihnachtsgeschenk gibt es auf www.haallicht.de.

 

Text - SHZ böw

 

Foto: Yvonne ist entsetzt: Im Spiegel sieht sie sich als Mark (Rainer Schößler) und muss von Regieassistentin Marion (Simone Born) beruhigt werden.